Internetseite von Bernhard Weigl

Nachbau einer Sänfte des 18. Jahrhunderts:

Siehe zu diesem Thema meinen Aufsatz

"Tragen und Getragen werden, die Sänfte als öffentliches Verkehrsmittel ....."

Tragen und Getragen werden - Bernhard Weigl - 2014.pdf

 

 

Im Jahr 2012 feiern wir den 800-sten "Geburtstag" des Marktes Mantel. Für die hierfür geschriebene szenische Führung habe ich mir etwas ganz besonderes ausgedacht. Ich habe eine Sänfte (auch Portechaise genannt) des 18. Jahrhunderts nachgebaut. Rechts ist die Sänfte auf dem Welterbetrag 2015 in Regensburg im Einsatz.

Dieses Verkehrsmittel fand seine Verbreitung bei uns vor allem vom Ende des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Es wurde praktisch ausschließlich für den Nahverkehr in Städten benutzt. Wer reich war besaß seine eigene Sänfte - in den größeren und mittleren Städten gab es jedoch an öffentlichen Plätzen oft Mietsänften, die ähnlich wie heute ein Taxi, benützt werden konnten.
Entsprechend gab es natürlich auch Portechaisen in jeder Ausführung. Von sehr schlicht bis äußerst prunkvoll bemalt und verziert.
Für die getragene Person war eine solche Sänfte sehr komfortabel. Die Schuhe blieben sauber, die Kleidung blieb bei Regen und Schnee trocken und anstrengen musste man sich auch nicht. Getragen wurde eine solche Sänfte von zwei starken Männern. Diese hatten nicht nur die Arbeit, sondern waren auch noch komplett dem Wetter ausgesetzt. Dies bereitete aber damals wohl nur den wenigsten Getragenen ein schlechtes Gewissen. Der Gebrauch von Portechaisen ist kulturgeschichtlich ein äußerst interessantes Thema.

Mein Nachbau sollte eher schlicht sein. Zudem handelt es sich nicht um den exakten Nachbau eines Museumsstückes, sondern um eine Mischform, bei der ich Formen von verschiedenen Vorbildern verwendet habe.
Als Materialien wurde jedoch nur verwendet:
- Fichtenholz, nur Holzverbindungen, keine Schrauben etc.
- Leder und Filz für das Dach
- Eisenscharniere
- Baumwollstoff für die Auskleidung
- Baumwollsamt für die Vorhänge
Fenster müssen noch nachgerüstet werden.

oben: Bild vom Baubeginn / Dachkonstruktion

oben: Sänfte beim Probetragen. Es musste getestet werden, wie lange die Stangen sein müssen, bzw. dürfen.

oben: Detail der Bemalung / Innenbespannung mit Stoff 

oben: Das Ergebnis

Im Jahr 2015 hat die Sänfte einen Ausflug auf die Insel Capri gemacht. Ein Herr mit sehr viel Geschmack und Humor hat sich die Sänfte von mir ausgeliehen um seine gute Freundin auf der Insel einen Berg hinauftragen zu lassen. Die Dame war mit ihren 80 Jahren nicht mehr so gut zu Fuß. Das war, wie ich immer noch finde, eine einzigartige Idee. Unten Bilder meiner Sänfte auf Capri.