Internetseite von Bernhard Weigl     

Ein Laufbrunnen für den Markt Mantel aus einer 1000jährigen Eiche: 

  Brunneneinweihung am 31.07.2011                                                                                                                          

Im Jahr 2007 wurden bei Renaturierungsarbeiten in der Nähe des Dorfes Steinfels zwei große Eichenstämme ausgebaggert (siehe meine Rubrik "Sonstige Aufsätze"). Die Stämme wiesen deutliche Bearbeitungsspuren auf. Auf Bitte des Autors wurden diese vom Landesamt für Denkmalpflege untersucht. Das Ergebnis war mehr als beeindruckend. Der eine Stamm, dessen Alter feststellbar war, wuchs ab dem Jahre 920. Etwa zwischen den Jahren 1095 und 1105 wurde er gefällt und bearbeitet. Möglicherweise handelte es sich um Bauteile einer Brücke über die kleine Haidenaab. Historisch gesehen ist dies sensationell, denn Mantel selbst wird erst 1212 urkundlich genannt, das Dorf Steinfels sogar erst etwa 150 Jahre später.

Ich bekam die Stämme geschenkt und lagerte sie in den nächsten Jahren trocken in Mantel. Eigentlich wollte ich die Stämme an ein großes Museum verschenken. Diese Schenkung wurde jedoch abgelehnt, da die Baumstämme nicht in das Museumskonzept passen würden!? So wuchs in mir der Plan zu einem ganz besonderen Projekt heran. In der Stadt Minden in Westfalen hatte ich einen Laufbrunnen mit einem hölzernen Brunnstock gesehen. Dieser war nach altem Vorbild in den 1980er Jahren im Rahmen der Stadterneuerung aufgestellt worden. Nachdem ich mir die Einwilligung des Landesamts für Denkmalpflege geholt hatte, machte ich mich daran, aus einem Teil eines der Baumstämme einen solchen hölzernen Brunnstock in Handarbeit zu fertigen. Um ehrlich zu sein: es tat schon weh, die Säge an einen solch alten Baumstamm anzulegen. Es wäre jedoch nicht möglich gewesen, diesen Baumstamm auf Dauer im Ganzen zu erhalten. Und ich denke, das Ergebnis kann sich doch sehen lassen. Nach etwa 100 Arbeitsstunden kam tatsächlich ein schöner Brunnstock aus der steinharten, grauschwarzen Eiche heraus. Im Laufe seiner Geschichte war eine Seite des Baumstammes anscheinend verstärkt der Korrosion ausgesetzt gewesen. Während eine Stammseite sehr hart und gleichmäßig war wies die andere Seite teilweise tiefe Löcher und weiches Material auf, das entfernt werden musste. Diese Löcher und breitere Risse wurden mit einer Spezialmasse verfüllt und anschließend wieder glattgeschliffen.

Den fertigen Brunnstock habe ich im Jahr 2010 an den Oberpfälzer Waldverein (OWV) Mantel verschenkt. Dieser wird ihn 2011 im sogenannten Stadelviertel aufstellen. Dies dürfte dann praktisch der Laufbrunnen mit dem ältesten hölzernen Brunnstock (aus dem Jahre 920) in der Oberpfalz sein, wenn nicht sogar in ganz Bayern oder Deutschland. Wer einen älteren Brunnstock kennt, der darf mich gerne kontaktieren.

 

Oben: Plan für den Laufbrunnen in Mantel / das Vorbild für den Brunnen in Minden in Westfalen / bearbeiteter Stamm

Oben: während der Bearbeitung / Löcher und Risse wurden mit Spezialmasse verfüllt / die eingeschnitzte Jahreszahl 920

 

 Oben: Die Teilnehmer der Führung "Der Hexenpeter" haben einstimmig beschlossen das Granitbecken für den neuen Laufbrunnen zu stiften. Beteiligt waren: Alfons, Evi, Carola, Marcus und Christian Lebegern, Frank Borchardt, Doris Schätzler, Andrea Bertelshofer, Wolfgang und Birgit Hümmer, Carmen Stubenvoll, Manfred Hartung, Sabine Kroll, Bernd Bösl, Karolin Teichmann, Martin Koppmann, Petra Henrich-Weigl und Bernhard Weigl.